über Walter Stallwitz

“Vielmehr ist das Bildnis - nicht Auftrag sondern “Motiv” - zunächst für den Maler selbst von Interesse. Dementsprechend muß ihn die Persönlichkeit des Menschen interessieren, mit dem sich sein Bild befaßt. ...”
Prof. Heinz Fuchs (+), 1979, im Buch “W. Stallwitz - Portrait - 1947 - 1979

“Mehr noch: Walter Stallwitz befreit den Menschen, schenkt ihm seine ursprüngliche Würde, versöhnt vor dem Angesicht der anderen für wenige Augenblicke die Gegensätze zwischen Ich und Wirklichkeit. Deshalb spielt das Portrait in seinem Schaffen eine zentrale Rolle.”
Alfred Huber, im Katalog der Ausstellung “Walter Stallwitz - Gemälde und Zeichnungen”, Mannheimer Kunsthalle, 1992, S. 18

“Die Portraitmalerei nimmt im Werk von Walter Stallwitz (geb. 1929) eine zentrale Stellung ein. Bekannte und unbekannte Weggefährten, prominente Persönlichkeiten, vor allem Literaten wie Günter Grass und Politiker wie Willy Brandt, ... erscheinen erscheinen im Kontext seines Malstils, den er von den fünfziger Jahren bis heute kontinuierlich weiterentwickelt hat, lebendig und besselt.”
Helmut Orpel , in der Zeitschr. Art Profil, 7. Jhg, 2001, Heft 5, S. 4

 “Das Wesentliche, im wahrsten Sinne des Wortes körperlich sichtbar machen - das wird nach jahrelanger Suche zur großen Leistung des Künstlers. Ähnlichkeit reduziert sich auf diagnostisches Erfassen der dargestellten Person... Wer sich wie Stallwitz radikal und bedingungslos zum Antlitz des Menschen bekennt, entdeckt mit ihm den Mikro- und Makrokosmos der menschlichen Seele. Wer sich von ihm portraitieren läßt, läßt sich auf ein Abenteuer ein. Man schaut in einen Spiegel mit tiefen Schichten und immer entdeckt der Betrachter neue Wesensmerkmale. Es gibt wenige Portraitisten, die den Menschen in seiner schnellen Vergänglichkeit für ihn so lange Augenblicke festhalten konnten - wie der Maler Walter Stallwitz.”
Gustav-Adolf Bähr, im Film “Atelierbesuch. Walter Stallwitz - Mannheim”, SWR, 1982

Über das Porträt im allgemeinen und über seine Porträts hat Walter Stallwitz immens viel nachgedacht. Nicht von ungefähr sind soziologische Schriften seit Jahren seine Lieblingslektüre. Wie sieht er denjenigen, den zu malen er sich anschickt? ... Er sieht ihn als Individualität, was zu dem führt, was man gemeinhin mit Ähnlichkeit bezeichnet.
... wird ein Mensch in einem “Prozess der dauernden Verwandlung” wahrlich neu geschaffen. “Ich knete ihn aus den Farbspuren heraus. Durch das setzen vieler Farbflecke taste ich mich langsam an ihn heran. Die Figur muß sich aus dem Raum entwickeln und der Raum aus der Figur. Am Ende soll ein dichtes Bild stehen, ein Gefüge, bei dem alle Teile zusammenhängen.””
Heike Marx, aus: “Die Person wird durch Farbe definiert”.  Die Rheinpfalz, 16.08.85

“Kommen wir zu den Werken von Walter Stallwitz. Wie er auf seinen großformatigen Porträts - die zu den besten gehören, die unsere Zeit aufzuweisen hat - die Tiefe menschlicher Existenz auslotet, so auch in seinen äußerst sensiblen Interieurs.”
Aloisia Föllmer, 1996, Eröffnungsrede der Ausstellung “Kunst aus Mannheim”

“So sehe ich mich zum Beispiel, im Rückblick; mit Kreide gezeichnet im Jahre 1962. ...Walter Stallwitz hat mich damals, als ich in seinem Turm-Atelier gegenübersaß, besser erkannt, als ich mich selber.”
Hans Bender, im Buch “W. Stallwitz - Portrait - 1947 - 1979

“Noch in einer anderen Hinsicht stellen diese Portraits keine Vorwände dar: die Identität des Künstlers verdrängt nicht die Identität der dargestellten Personen. Stallwitz eigene deutende Reaktion auf die Welt drückt sich in seinen Gruppen- und Figurenbildern aus; für seine Portraits ist charakteristisch die außerordentlich gesteigerte Neugierde darauf, herauszufinden, wie andere Personen mit Welt umgehen. (Bezeichnenenderweise gibt es keine Selbstportraits von Stallwitz) Walter Stallwitz unterläßt es, fremde Identitätsbemühungen zu vergewaltigen. Vielmehr stellt er mit höchster Sensibilität und Aufmerksamkeit die Strukturen je individueller Versuche von Weltbewältigung dar.”
Kurt Meier, im Buch “W. Stallwitz - Portrait - 1947 - 1979